Wir verlassen Stockholm und befahren einen sehr schmalen Wasserweg nach Süden der uns empfohlen wurde und es hat sich gelohnt. Die Strecke ist sehr schön und wechselt vom Fluss 

zu einer Inselwelt und wieder Fluss bis wir wieder offenes Meer erreichen. Wir laufen zunächst eine kleine Insel Ütö an die im nördliche Teil eine sehr schöne Bucht liegt und einen tollen Liegeplatz für uns hat. Wir müssen mit Heckanker an den Steg gehen. Für uns eine kleine Herausforderung, da wir hinten einen sehr leichten Anker aus Aluminium haben und der bei seinem letzten Einsatz nicht so toll gehalten hatte und jetzt auch noch der Wind von hinten kommt und er zwingend halten muss. Ich werfe den Anker ca 30 m hinter unserem Liegeplatz und habe beim Anlegen schon Befürchtungen, das die neu gekaufte Ankerleine zu kurz sein könnte aber es reicht und der Anker ohne Kettenvorlauf hält fantastisch. Liegt vermutlich am Ankergrung. Lehm uns Sand ist gut aber verkrauteter Boden mag er nicht. Abends kommt noch eine Fähre und fährt bedenklich nah über unsere Ankerkette aber auch das geht gut. Wir hatten gutes Wetter aber abends kühlt es sich doch ab, so dass wir nochmal die Sauna aufsuchen die hier fast in jedem Hafen vorhanden und meistens kostenlos zu nutzen ist. Die Hafenanlagen ist sehr schön und auch ein Konditor, ein Restaurant und 2 bis 3 Buden sind da und alles ist sehr freundlich angelegt und in die Natur integriert, aber ich habe leider versäumt ein Foto zu machen. Am kommenden Tag geht es fast direkt vor den Kanal nach Arkösund und da es doch eine längere Strecke ist, erreichen wir den Hafen erst um 22:00 Uhr.
Am kommenden Tag fahren wir noch schnell an die Tankstelle, da unsere Anzeige nur noch 30 % anzeigt und wir mit gefülltem Tank Diesel in den Kanal wollen. Wir können unseren Verbrauch nur schlecht abschätzen, da wir doch auch sehr viel heizen mussten und die Heizung sich ebenfalls aus den Dieseltank bedient. Zunächst geht es in den Götakanal nach Mem. Hier beginnt er und wir müssen erst mal einchecken.
Um 14:00 Uhr sind wir in der ersten Schleuse und die Anspannung groß, da hier doch deutlich mehr Strömung ist als in den Schleusen die wir bisher kennengelernt haben. Das andere Boot, das mit uns in der Schleuse ist, entpuppt sich als Chaoten aber am Ende klappt alles sehr gut. Wir machen noch eine weitere Schleuse und übernachten in Sönderköping.
Der Anfang ist gemacht und der Liegeplatz an einer Tapasbar auch sehr schön.

Am folgenden Tag geht es bei herrlichem Wetter weiter.



Die Schleusungen sind sehr gut organisiert. Nach dem Einfahren wird erst immer gefragt ob alles klar ist bevor die Schleusenwärter/in (meistens hübsche Schwedinnen) beginnen das Wasser ein zu lassen, wobei die Strömung mächtig ist.
http://bolts.de/wp-content/uploads/2019/07/img_2417.mov
Wenn abzusehen ist, das wir den Kanalkreuzfahrschiffen begegnen werden wir in der Schleuse bereits darauf hingewiesen oder wenn der Kanal an der Stelle zu eng dafür ist, gebeten am Anlegesteg fest zu machen um das Boot passieren zu lassen. Bei den Booten handelt es sich noch um die Originale aus dem letzten Jahrhundert und es ist immer faszinierend den Booten zu begegnen. 
Hier hatten wir über Nacht an einem Steg mitten im Nirgendwo fest gemacht als uns DIANA begegnet.



So kommt man auch hier von Kanälen auf Seen und schließlich erreichen wir den Ort Berg. Hier ist der Name Programm. Hier beginnt ein massiver Anstieg mit einer Schleusentreppe von 7 hintereinander folgenden Schleusen.

Das Aufwärtsschleusen funktioniert so, das ich Carla vor der Schleuse mit einer 25 m langen Vorleine absetze, die vorne am Boot durch eine Klampe zu mir nach hinten auf eine Winsch geführt und dort befestigt ist.
Ist Carla an Land muss sie etwas vor dem in die Schleuse einfahrendem Boot herlaufen, und einen Ring ca. 10 Meter vor dem Boot belegen, während ich das Boot so zum stehen bringen muss, dass meine hintere Klampe möglichst genau an einem Ring zum stehen kommt. Carla geht nun zu diesem Ring, während ich nun zunächst die Vorleine dicht hole und werfe Carla die Heckleine nach oben. Diese belegt sie nun oben ebenfalls an dem hinteren Ring. Ich hole unten nun auch diese Leine durch und belege diese so kurz wie möglich am Boot. Nun wieder die Vorleine an der Winsch spannen, Fender kontrollieren und ggf. korrigieren und Motor aus. Jetzt auf noch auf weitere in die Schleuse einfahrende Boote achten, das die nicht unser Boot beschädigen. Sind alle fest wird die Schleuse geflutet. Währen der Zeit hole ich die Vorleine ständig dicht bis wir oben sind. Jetzt Motor einschalten. Schleusentor öffnet sich und Carla löst die Achterleine und wirft mir diese zu. Ich schieße diese auf ( d.h. ich wickel die wieder ordentlich auf ) und löse die Vorleine auf der Winsch damit Carla die Vorleine wieder vom Ring nehmen und wieder lang ziehen kann und wir fahren in die nächste Schleusenkammer und alles beginnt von vorne.
So ein Vorgang dauert ca. 20 Minuten und man muss ständig aufmerksam sein.
Nach 7 Stück in Serie sind wir froh, das wir erst mal zu einer Verschnaufpause zu kommen, als in der vorletzten Schleuse das Telefon klingelt (Gott sei dank bei Carla) und sich unsere Bekannten Barbara und Antoine erkundigen, wo wir sind. Sie seien gerade auf dem Weg von Helsingborg nach Stockholm und hätten gesehen, das wir irgendwo in der Nähe sind. Carla erklärt ihnen, das wir in der vorletzten Schleuse der Treppe sind und sie kommen uns gerade besuchen, als wir die oberste Schleuse gemeistert hatten. Ich denke nur „die hätten auch früher kommen könne, dann wäre das nicht so ein Akt gewesen zu zweit!!!“
Wir freuen uns aber sehr und sie fahren mit den Boot zu unseren Liegeplatz. In Schweden üblich bringt man dann auch kleine Küchlein oder ähnliches mit und macht dann FIKAR (so nennt man eine Kaffeepause). Den Rest 3x Doppelschleuse nehmen wir am nächsten Tag in Angriff. 



Schließlich haben wir auch das ohne Kratzer gemeistert und haben diesen Berg geschafft und befinden uns bereits 73,2 m über dem Meeresspiegel.